Angehende Fachlehrer entwickeln Ideen für die ästhetische Bildung und Naturbegegnung im Schulunterricht.

 

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Am Vormittag an der Wertach stehen zwei junge Menschen in den moorbraunen Wellen und türmen im Flussbett konzentriert Stein auf Stein. Nicht weit von ihnen entfernt entsteht eine Spirale aus Kiesel, wodurch im ruhigen Wasserlauf ein bewegter Strudel entsteht. Am Ufer sammelt eine Gruppe gelbe Blüten, um mit ihnen die Steinspirale zu füllen. Ein Ort in der Natur wird nach und nach behutsam verändert, es werden neue Akzente gesetzt, die ruhigen Wellen werden zum Tanzen gebracht und bunte Blumen treiben leuchtend im Wasser. Land-Art ist Kunst in und aus der Natur. Ort und Material sind also bestimmend für diese Art von Kunstwerk, dessen Lebensdauer immer zeitlich begrenzt ist, bis die Natur allmählich den künstlerischen Eingriff des Menschen überwuchert, wegschwemmt, davonweht.

Die Studierenden der GK3 entwickelte einen Vormittag lang Ideen, die sich später auch mit Schülerinnen und Schülern umsetzen lassen würden: Vom Sammeln von verschiedenen Naturmaterialien, über das Ordnen bis zur Komposition, die beim Arbeiten im Klassenzimmer oft so mühsam erscheint und hier fast spielerisch in der Gruppe erfolgt, wird die Wahrnehmung gesteigert, der Blick für Farben und Strukturen geschärft, wird getastet, gerochen, geraschelt und somit die Umgebung intensiv erfahren. Dieses Aufgehen in der Natur ist gerade für Stadtkinder oftmals eine seltene Erfahrung und kommt in einer medial geprägten Kindheit zumeist viel zu kurz. Manche Studierenden setzten neben Naturmaterialien auch ihren Körper als „künstlerisches Material“ ein und schmückten ihn, ähnlich wie die Naturvölker, mit Lehm und Blüten.

Im Wald gestalteten wir dann, inspiriert von unserer Deutschlektüre, in der in fünf Episoden immer wieder einen Fee einem modernen Menschen in seinem Alltag begegnet, eine Anderswelt, wie die Kelten die Orte nannten, an denen Feen und andere Zauberwesen ihrer Vorstellung nach lebten. Bäumen wurde mit Gesichtern Leben eingehaucht, eine weitere Steinspirale verband den Ort im Wald gedanklich mit der Spirale im Fluss und stellte somit eine Verbindung zwischen den Elementen Wasser und Erde her, die grundlegend für unsere menschliche Existenz sind.

Wichtig bei all diesem kreativen Schaffen ist immer der Respekt vor der Natur: Es werden bevorzugt Materialien verwendet, die bereits am Boden liegen, seltene Blumen werden nicht gepflückt, Blätter nicht abgerissen. Man genießt den Zauber der eigenen Schöpfung in dem Wissen, dass sie endlich ist, der Schaffensprozess ist dabei genauso wichtig wie das Ergebnis. Und beinahe gelingt uns an diesem Tag die Gelassenheit von tibetischen Mönchen, die in mühevoller, tagelanger Arbeit ihre Sandkunstwerke erschaffen und sie dann lächelnd wegwischen und dem Wind übergeben, um erfahrbar zu machen, dass alles ständigem Wandel unterliegt.

Literaturempfehlungen:
Andy Goldsworthy, Verlag Zweitausendeins
Hans Silvester: Kleider der Natur. Die Kunst des Körperschmucks im Tal des Omo. terra magika.  F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung
Marc Pouyet: Landart Spiele in der Natur.AT Verlag

Gabriele Smekal

 

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