Kulturelle Erfahrungen auf unserer Dresden Exkursion: Dresden ist ein Zentrum der Deutschen Romantik und übte schon immer mit seiner landschaftlich schönen Lage, seiner berühmten Architektur und seinen Kunstsammlungen auf Musiker, Dichter und Maler einen besonderen Reiz aus. So wurde diese Stadt in der Zeit der Romantik ein kultur- und geistesgeschichtlich bedeutsames Zentrum, in dem sich Künstler von Rang vom ausgehenden 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts niederließen  oder zu den berühmten Gästen zählten. Auf den Spuren dieser Epoche begegnet man unter anderem Namen wie Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus, Philipp Otto Runge, Ludwig Tieck, Novalis, E. T. A. Hoffmann oder Robert Schumann.


Motive der Romantik in der Malerei

In der Epoche der Romantik kamen die Widersprüche zwischen Ideal und Wirklichkeit, dem Einzelnen und der Gesellschaft,  zwischen Kunst und Leben zum Ausdruck. Dazu bedienten sich die Künstler oft des Märchenhaften und Phantastischen und entwickelten  eine Vorliebe für das Mittelalter, entdeckten aber auch die Vorzüge der heimatlichen Natur und Volkskultur.
Zentralen Motiv sind das Schaurige, Unterbewusste, Fantastische, Leidenschaftliche, Individuelle, Gefühlvolle und Abenteuerliche, welche die Grenzen des Verstandes sprengen und erweitern sollten und sich gegen das bloße Nützlichkeitsdenken sowie die Industrialisierung richten.

 

Hauptvertreter der Deutschen Romantik

CASPAR DAVID FRIEDRICH, 1774–1840 widmete sich zunächst der Zeichenkunst, bevor er sich 1807 der Ölmalerei zuwandte. Seiner Auffassung nach sollte die Kunst als „Mittlerin zwischen der Natur und den Menschen“ treten. Für ihn war die „Landschaft ein Spiegelbild der Seele“.


PHILIPP OTTO RUNGE, 1777–1810
In Deutschland wurden überwiegend landschaftliche Motive gewählt.

(Stefan Pfeifer)


Wir wollten dieser Epoche im Rahmen unserer Studienfahrt nachspüren, indem wir historische Dresdenansichten im heutigen Stadtbild suchten, fotografierten und so erfahrbar machten, wie sich der jeweilige Ort im Laufe der Zeit verändert hat.  

Historisches Gemälde:
Dresden vom rechten Elbufer oberhalb der Augustusbrücke
Bellotto, Bernardo (1722-1780)| 1747 Gemäldegalerie Alte Meister

Auf dem Gemälde von Bernardo Bellotto, auch bekannt unter dem Namen Canaletto, dient die berühmte „Skyline“ Dresdens als Hintergrund für geschäftiges Treiben am anderen Elbeufer. Sind es im barocken Gemälde Fischer, Bauern bei der Heuernte und Dresdener Bürger im Gespräch, die Bellotto als sogenannte Staffagefiguren dienen, um das Gemälde zu beleben, so sieht man heute am selben Ort  das Freilichtkino, das mit seinen Getränkebuden die abendlichen Besucher bei den Filmnächten am Elbeufer erwartet.



Die Synagoge in Dresden
Kretschmar, Bernhard 1926/34
Galerie Neue Meister



Hier wurde der Wandel der Zeit am deutlichsten und vielleicht auch am schockierendsten für uns erfahrbar: Die Alte Synagoge war die 1840 eingeweihte und 1938 im Novemberpogrom zerstörte Synagoge der jüdischen Gemeinde in Dresden. Der neoromanische Bau von Gottfried Semper war zur Zeit ihrer Fertigstellung die größte Synagoge in Deutschland.
Die Neue Synagoge, die auf dem Foto zu sehen ist, wirkt in ihrer fensterlosen Architektur trutzig und abweisend. Der Bau ist in gefärbtem Beton mit „Sandsteincharakter, optisch in Bezug zur Klagemauer in Jerusalem, errichtet worden.  
Während Kretschmars Gemälde von Bürgern bevölkert ist, denen das Gebäude offensichtlich als Versammlungsort dient, wirkt das Gebäude auf der Fotografie wie ein Festung, vor der sich nicht mehr die Gläubigen versammeln, sondern Menschen, die an der Haltestelle auf ihre Straßenbahn warten.

 

Ein weiteres Kunstprojekt machte uns in Dresden viel Spaß und schärfte den Blick auf unsere Umgebung: Der Wanderer verlässt sein Nebelmeer - 200 Jahre kein Durchblick sind genug!

Den Wanderer aus dem Nebelmeer, die berühmte Rückenfigur von C.D. Friedrich, nahmen wir mit auf unsere Reise und zeigten ihm Dresden und Umgebung. Er staunte nicht schlecht, was sich in den vergangenen 200 Jahren so alles verändert hat!

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Und nachdem die Epoche der Romantik ja nicht nur von der Malerei, sondern in besonderem Maße auch von der Lyrik geprägt ist, machten wir uns schließlich ans Dichten, mal mit sehr ernsthaften, mal mit eher augenzwinkernden Ergebnissen:

Begrüßung
am Dresdener Hauptbahnhof



Ich gehe so den Weg entlang,
Da spricht mich doch ein Bengel an.

Nun frag ich mich, was ist da los?
Er pinkelt sich glatt in die Hos'!

Da frag ich mich, da frag ich mal...
Da frag ich mich - ist das normal?

Die neuen Meister würden schrein'
Zieht der sich glatt Trompete* rein.

So ist das in der Dresdner Stadt,
Ich habe jetzt schon alles satt!

LisaLang

*Anmerkung:
Am Dresdener Hauptbahnhof wurden uns Blüten der Engelstrompete von einem Mann zum Kauf angeboten, der ganz offensichtlich schon reichlich davon konsumiert hatte und geistig und körperlich in elender Verfassung war.
http://de.drogen.wikia.com/wiki/Engelstrompete

 

Melodie der Zeit

 

  


Regengeruch liegt im Wald.
Begrenzt,
Macht begreifbar,
Beschreibt
Und lässt mich eintauchen.
Ein Gedanke schwebt im Kronendach,
Durchstreift Blättermeere auf seinem Weg
Und hält die Luft an.
Mein Gedanke wird leicht,
Scheint fast gelöst,
Öffnet sich der Welt
Und summt.
Er summt eine Melodie,
Die lächelt,
Lacht,
Weint
Und vor Schmerzen schreit.
Er schreit ein Lied in die Zeit.
Schreit sie an,
Schreit mit ihr
Und verstummt.

Der Poet

 

Verbunden

Wie ruhig fließt die Elbe
im Flussbett der Zeit.
Trägt Erinnerung mit sich
wie Sandsteingeröll
glattgeschliffen
vom schroffen Felsen einst
zum blanken Kiesel nun.

Im Wasserspiegel tanzen tausend Bilder
Grausteinerne Glocke
Gebissener Ahne
und Feste voll Prunk.
Die goldenen Locken des Mädchens
das selige Lächeln der Verliebten
und das Sommergrün der nahen Auen.

Doch tief unten am Grund
im kühlen Dunkel
meiner verborgensten Ängste
lauert noch immer
das Grauen einer kalten Winternacht
weiß klirrendes Eis, das schmilzt
m flammenden Inferno.

Dort unten
in der modrigen Stille meines Herzens
wo die Seejungfrau schweigt
und kein Lichtstrahl das Algengrün durchdringt
liegen sie noch immer
die Trümmer dieser Stadt
messerscharf kantig am Grund
und erschrocken vom Schmerz
zieh die blutende Hand ich zurück.


Meine Schutzhülle wird porös,
Todeskälte dringt ein,
das Kontinuum der Zeit löst sich auf,
wird zum endlosen Raum,
in dessen nebligen Weiten
ich allmählich erkenne
damals
in eiskalter Winternacht
bist du gestorben
und ich.

Al Smek

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