„Ihr Kind ist zwar gesund, aber unfassbar hässlich." Das Theaterstück "Dislike", das die Künstler des zweiten Jahres im Rahmen ihrer Schulspielausbildung aufgeführt haben, hat das Märchen „Das hässliche Entlein“ von Hans Christian Andersen  wunderbar in die Moderne geführt.

 
Ich durfte die Uraufführung von "Dislike" genießen und konnte so Zeuge werden, wie zwei Teile eines Stückes zusammengeführt wurden. Da das Stück von zwei Gruppen verwirklicht wurde, die unterschiedliche Szenen aufgearbeitet haben, wussten die Schauspieler selbst nicht genau, wie die jeweils anderen den Stoff interpretieren. Das machte die Aufführung ungemein spannend. Man konnte förmlich spüren, wie die Akteure, die Gruppen, die Szenen in Dialog miteinander treten.

Gleich zu Beginn wurde man in eine skurrile Situation entführt: Das Publikum durfte Teil einer Geburtscastingshow werden, durfte sehen, wie Drillinge geboren und kategorisiert wurden. Fast beschämt wurde mir sofort klar, wie aktuell das Thema, die Geschichte von Andersen ist.

  

Groteske, satirische Ideen wie diese und die Figur des Entleins zogen sich ab sofort durch das ganze Stück. Wir wurden immer wieder in neue Welten eingeführt, so auch in die Glitzerwunderwelt des „Germany´s Next Topmodel“. Das war ein besonders „schöner“ Moment. Hier wurde eine neue Ebene in das Stück gebracht, indem man die Akteure im Stück Fernsehschauen ließ, was das Publikum als Video sah. Zudem wurde der Model- und Modebetrieb genial persifliert, durch die erschreckend echte Interpretation der Modelcastingshow.

Das hässliche Entlein wurde anonymisiert und verallgemeinert. Wir alle wurden zum Entlein, da die Rolle immer wieder neu besetzt wurde. Eine weitere schöne Idee war, dass ganz verschiedene Situationen aus dem Leben des Entleins beleuchtet wurden. So wurde das Stück in alle Alters- und Lebenssituationen gehoben, es wurde eine ganz runde und wunderbar schlüssige Geschichte. Eine Geschichte, die hart, grausam, erschreckend und unfassbar traurig war, immer wenn geärgert,gemobbt, ausgelacht und verachtet wurde. Vor allem als der Tod so nah war.

  

Eine Geschichte, die auch schön,wahr, echt, liebevoll und träumerisch lächelnd war. Vor allem, wenn ein Papierflieger durch die Welt fliegt und den Moment anzuhalten scheint, wenn Menschen bewegt werden und Musik die Stimmung bestimmt. Musik zart, wunderbar und zerbrechlich wie die Schauspieler selbst. Hier werden Bilderwelten geschaffen: „Tinte wird Wasser, Pulte werden Bäume, Stift wird Vogel.“


Natürlich wurde der Gedanke des Optimierungswahns auch so auf die Spitze getrieben, dass man laut lachen und schreien möchte. Die „Beauty-Queen Jay-Jay“ hat mir Tränen vor Lachen in die Augen getrieben, weil sie der „Generation Schminke“ einen sehr harten und hässlichen, im wörtlichen wie übertragenen Sinne, Spiegel vor die Augen gehalten hat: „Immer schön die Fresse wund haun.“

Happy End. Klar gehen das Märchen und das Stück gut aus, aber vor allem die Appelle, die grotesken Vorwürfe und Visionen bleiben am Ende, zumindest bei mir. Ich frage mich, wie viele Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte die Menschheit noch braucht, um endlich ein gesundes Verhältnis zu Schönheit und Mode zu entwickeln. Wie viele Entlein müssen noch hässlich sein, bis wir verstehen, dass es keine hässlichen Entlein gibt?

Der Poet

 

Szenen


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Horrormasken


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Fotos: privat


Ein besonderes Highlight waren die im Unterricht von Frau Rodenhauser gestalteten Theaterplakate, die den Besucher empfingen. Endlich konnte man unseren endlos langen Flur in vollen Zügen genießen und an den phantasievoll Plakaten entlang schlendern. Schön zu sehen, wie sich zwei Fächer gegenseitig inspirieren und so wertvolle Synergien entstehen!

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Fotos: Frau Rodenhauser

 

 

 

 

 

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